Tagebuch · 2026-10-18
Ein neues Kreuz erinnert an die Kapelle und das verschwundene Adamsthal

In den wiederhergestellten Fundamenten der einstigen Kapelle von Adamsthal wurde am Samstag, dem 17. Oktober 2026, feierlich ein neues Kreuz gesegnet. Der Ort, an dem sich einst die Bewohner der Bergsiedlung versammelten, hat damit wieder ein sichtbares Zeichen seiner Geschichte erhalten. Hinter dem erhaltenen Grundriss stehen die Geschichten eines gebürtigen Adamsthalers, der die Kapelle errichten ließ, eines örtlichen Malers und der Menschen, die sich jahrzehntelang um das Gebäude kümmerten.
Die Segnung leitete Pfarrer Pavel Ryšavý aus Zábřeh. An ihr nahmen auch Artur Andrzej Górka, Pfarrer in Hanušovice, und Kaplan František Janíček teil. Ebenfalls anwesend war Vlastimil Peštál, stellvertretender Bürgermeister von Staré Město. Das neue Kreuz steht in den wiederhergestellten Fundamenten der einstigen Kapelle von Adamsthal, die Mariä Heimsuchung geweiht war.
Adamov, auf Deutsch Adamsthal, war einst eine Siedlung mit Wohnhäusern, einer Schule und einem eigenen Ort für gemeinsame Andachten. Diesen gab es bereits vor dem Bau der Kapelle. Einem Dokument zufolge, das später in der Zeitung Grenzbote veröffentlicht wurde, versammelten sich die Menschen unter freiem Himmel, nur wenige Schritte vom späteren Bauplatz entfernt. Bei schlechtem Wetter fanden sie im Haus Nr. 13 Zuflucht.
Die Kapelle ließ der aus Adamsthal stammende Anton Katzer errichten, der als Müller in Šumperk tätig war. Laut demselben Dokument fertigte Maurermeister Löhnert aus Staré Město den Bauplan an. Fürst Johann von Liechtenstein stiftete das Bauholz, und Katzers Bruder Gregor vertrat den Bauherrn vor Ort.
Diese Einzelheiten kennen wir dank eines Berichts über die Instandsetzung des Turms im Jahr 1920. Damals druckte der Grenzbote ein Dokument ab, das im Turmknauf aufbewahrt worden war. Es nennt den 15. Juni 1881 als Tag der Grundsteinlegung und den 4. September desselben Jahres als Datum der Anbringung des Turmknaufs. Die Pfarrchronik von Kolštejn datiert hingegen sowohl den Bau als auch die Segnung der Kapelle auf das Jahr 1882. Dieser Widerspruch lässt sich bislang nicht mit Sicherheit erklären.
Auch das Innere der Kapelle erinnerte an einen weiteren gebürtigen Adamsthaler. Die Pfarrchronik erwähnt mehrere Gemälde des örtlichen Malers Antonius Aust. So bewahrte die kleine Bergkapelle Werke eines Künstlers, dessen Arbeiten auch andernorts in der Umgebung zu finden waren.
Die Chronik berichtet zugleich von ganz praktischen Sorgen um das Gebäude. Im Jahr 1937 beschädigte Wasser bei der Bewässerung der umliegenden Wiese die Fundamente, und in den Wänden entstanden Risse. Das Wasser musste durch eine Rohrleitung abgeleitet, das Mauerwerk ausgebessert und die Kapelle neu gekalkt und ausgemalt werden. Sie erhielt außerdem eine neue Eingangstür und eine neue Bank vor dem Eingang. Die Kosten trugen laut dem Eintrag der Pfarrer und seine Schwester Anna.
Mit dem Untergang der Siedlung nach dem Krieg kam auch das Ende der Kapelle. Ein erhaltenes Denkmalinventar beschreibt noch ihr rechteckiges Schiff, den halbrunden Chorabschluss und den Turm mit Zwiebelhaube, vermerkt aber auch abgefallenen Putz und eine zerstörte Ausstattung. Das genaue Jahr des Abrisses konnte bisher nicht abschließend geklärt werden: Die Quellen nennen sowohl 1960 als auch 1961.
Durch die jüngsten Wiederherstellungsarbeiten wurde der Standort der Hauptkapelle wieder zugänglich und ihr Grundriss sichtbar gemacht. Die ursprüngliche Idee dazu hatte Vojtěch Vyhnánek aus Zábřeh, der seit Langem mit dem erhaltenen ehemaligen Liechtensteinischen Forsthaus in Adamsthal verbunden ist. Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Ondřej Jašek entwickelte er das Vorhaben weiter. Dieser wandte sich im April 2021 an die Stadt und bat um Unterstützung für die Errichtung eines Holzkreuzes auf den hergerichteten Fundamenten der Kapelle. Der damalige Bürgermeister Jiří Kamp begrüßte den Vorschlag und bot für die Geländearbeiten die Hilfe städtischer Mitarbeiter sowie den Einsatz städtischer Maschinen an. Wesentlich zur Umsetzung trug schließlich die Unterstützung der Stadtverwaltung unter Bürgermeister Lukáš Koreš bei.
Das am 17. Oktober gesegnete Kreuz erinnert an die einstige religiöse Bedeutung dieses Ortes und fügt seiner Geschichte ein Ereignis der Gegenwart hinzu. Die Fotografien der Feier halten eine weitere Etappe in der Geschichte Adamsthals fest – einer Siedlung, deren Häuser verschwunden sind, deren Geschichte sich aber anhand erhaltener Spuren, Dokumente und persönlicher Erinnerungen immer wieder erschließen lässt.
An einer Buchpublikation zur Geschichte Adamsthals arbeiten wir derzeit intensiv. Darin werden wir auch die Geschichte der Kapelle ausführlich vorstellen: ihre Entstehung und Gestalt, die Schicksale der mit ihr verbundenen Menschen, ihr Ende sowie die jüngste Wiederherstellung ihrer Fundamente. Wir stützen uns dabei auf Archivdokumente, zeitgenössische Zeitungen, Fotografien und Erinnerungen von Zeitzeugen.
Text © Lukáš Horký · Fotos © Lukáš Horký

























